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Sie ging zum 31.12.2013 in den Ruhestand.

Moser: Sind Sie gerne Friseurmeisterin?
Hemberger: Was für eine Frage? Lieber bin ich Schulleiterin mit Meistertitel im Friseurhandwerk.

Moser: Was muss man denn Ihrer Meinung nach mitbringen, um eine Meisterschule erfolgreich führen zu können?
Hemberger: Disziplin, Einfühlungsvermögen, Stand haftigkeit und ein gutes Fach- sowie Allgemeinwissen. Nicht zu vergessen ist auch ein guter und anständiger Umgang mit den Mitgliedern des Lehrkörpers. Ich habe immer darauf geachtet, dass unsere Dozenten die Nähe zum Friseurhandwerk wichtig nehmen, auch wenn nicht alle Friseure sind. Die Mischung zwischen Fachkompetenz und guter Pädagogik sind die Quintessenz unseres Erfolges.

Moser: Es gibt immer wieder Befürchtungen, dass in den letzten Jahren zu viele Meister im Friseurhandwerk ausgebildet wurden. Wie stehen Sie zu dieser Aussage?
Hemberger: Es ist eindeutig zu erkennen, ob ein Meisterschüler gleich nach der Gesellenprüfung den Meisterkurs belegt oder eine erfahrene Friseurin den Meisterbrief erhalten möchte. Mehr Berufserfahrung ist eindeutig von Vorteil. Dennoch denke ich, dass eine qualifizierte Ausbildung immer auch für das Friseurhandwerk das höchste Gut darstellt. Die wenigsten unserer Meisterschüler möchten einen Salon gründen oder übernehmen. Vielmehr möchten diese noch etwas hinzu lernen und in eine bessere Gehaltsstufe gelangen. Erst im zweiten Schritt ist ab und an eine Salonselbstständigkeit geplant.

Moser: Wie sind Sie zum Beruf der Schulleiterin gekommen?
Hemberger: Ich habe im Teenageralter nach der Schule eine Ausbildung zur Großhandelskauffrau gemacht. Danach lernte ich durch die Liebe das Friseurhandwerk kennen. Ich kannte das Innungswesen Heilbronn dann sehr gut. Ich machte schnell die Friseurgesellin nach und setzte dann den Meistertitel obendrauf. Im Übrigen hatte ich die Meisterschule hier besucht. Damals hieß diese noch Berufsbildungszentrum (BBZ) und dann Friseurbildungszentrum. Der damalige Schulleiter kam auf mich zu und fragte mich, ob ich denn nicht Interesse hätte, die Assistenz der Schulleitung zu übernehmen. Das machte ich dann ein paar Jahre lang und fühlte mich hier gleich richtig wohl. Mich hatte damals noch Dr. Hartmut Richter eingestellt, der dann vom FFK zum BWHT gewechselt und jetzt auch schon im Ruhestand ist. Ja - und dann wurde ich durch Personalumstrukturierungen 1998 „schwub di wub“ Schulleiterin.

Moser: Apropos Ruhestand. Freuen Sie sich darauf? Werden Sie die Meisterschule vermissen?
Hemberger: Ich freue mich sehr auf den Ruhestand. Ich bin in meiner Freizeit sehr aktiv. Ich fahre gerne Ski, spiele viel Tennis, fahre Rad und genieße die Zeit mit meinen Enkelkindern in vollen Zügen. Nicht zu vergessen, ich reise gerne weit weg. Mir wird es nicht langweilig. Ich habe keine Probleme damit, den Ruhestand aktiv zu gestalten. Ob mir die Friseur-Akademie fehlen wird? Sicher doch. 28 Jahre für die Meisterschule da zu sein, geht nicht spurlos an einem vorbei. Ich mag den Kontakt zu den Schülern, die gute Zusammenarbeit mit dem FFK-Team und das Vertrauensverhältnis mit den Lehrerkolleginnen. Das wird mir sicher fehlen.

Moser: Haben Sie noch einen Tipp für Ihre Nachfolgerin? Auf was muss sie aufpassen?
Hemberger: Das ist nicht so einfach zu beantworten. Denn jeder wird seine eigene Note und seine eigenen Vorstellungen mit einbringen und so das Erscheinungsbild der Friseur-Akademie prägen. Wichtig ist wohl, dass man sich selber treu bleibt und alles vertreten kann, was man umsetzen muss. Das ist nämlich nicht immer einfach. Oft müssen vom FFK auch politische Ziele umgesetzt werden, die im ersten Moment für das FBZ nicht immer gleich schlüssig erscheinen. Doch bisher habe ich dann immer mit der Zeit die Intentionen verstanden, die dahinter stecken, und das Richtige darin erkannt. Das lernt man mit der Zeit. Im Übrigen kann ich mich nicht so recht an den neuen Namen Friseur-Akademie Baden-Württemberg gewöhnen. Deshalb rutscht mir auch immer wieder FBZ, die Abkürzung für Friseurbildungszentrum raus. Das machen dann eben doch die 28 Jahre Schulleitung aus.

Moser: Wo sehen Sie die Friseur-Akademie Baden-Württemberg in 5 Jahren?
Hemberger: Ach Herrjeh – ich denke unter der neuen Schulleitung und mit Ihnen als Geschäftsführer können wir die Friseur-Akademie Baden-Württemberg weiterhin da lassen wo sie ist, nämlich mitten im Leben des baden-württembergischen Friseurhandwerks! Getreu nach dem Motto unseres Qualitätsmanagements „Mit Top Qualifikation an die Spitze!“ Der Meisterkurs in Stuttgart hat einen guten Ruf in der Branche. Es heißt nämlich immer noch, wer es in Stuttgart geschafft hat, der kann es zu etwas bringen. Das soll doch bitte so bleiben.

Moser: Das klingt jetzt aber wie auswendig gelernt?
Hemberger: Nach 4 Jahren Qualitätsmanagement an unserer Friseur-Akademie Baden-Württemberg wäre es auch richtig schlecht, wenn ich das nicht wüsste.

Moser: Danke Frau Hemberger für dieses Interview.